Gehaltsentwicklung · Die sieben Modelle
Sieben Wege durch ein Band.
Vom einfachsten bis zum anspruchsvollsten. Alle Beispiele nutzen das Referenzband: Minimum 56.000 €, Mittelwert 70.000 €, Maximum 84.000 €. Jedes Modell wird nach den drei Tests bewertet: Erklärbarkeit, Konsistenz und Neutralität.
Art. 6 · EUR-Lex Art. 7 · EUR-Lex
Modell 01
01 Informiertes Ermessen
Führungskräfte entscheiden frei über Erhöhungen, sehen aber vorher die Compa-Ratio (Gehalt ÷ Mittelwert) jeder Person und Vergleichsdaten. Das Modell macht Entscheidungen sichtbar, ohne sie an Regeln zu binden.
Rechenbeispiel · Gehalt 63.000 € im Referenzband
- Compa-Ratio: 63.000 € ÷ 70.000 € = 0,90.
- Die Führungskraft sieht, dass Kolleginnen und Kollegen im selben Grade im Schnitt bei 0,98 liegen.
- Sie schlägt +4,0 % vor → 65.520 € und hält die Begründung fest.
Bewertung nach den drei Tests
Vorteile
- Schnell eingeführt.
- Stärkt den Umgang der Führungskräfte mit Daten.
- Ein guter erster Schritt nach der Einführung von Gehaltsbändern.
Nachteile
- Als Dauerzustand nicht zu verteidigen.
- Ergebnisse hängen von der Führungskraft ab.
Typischer KontextNur als Übergangsphase, mit Enddatum.
Modell 02
02 Zeitbasiert
Gehälter bewegen sich über eine festgelegte Zahl von Jahren auf eine Zielposition im Band zu. Die bevorzugte Form steuert über die Bandposition (wie weit ein Gehalt im Band liegt); die schwächere Form gibt einen festen Prozentsatz pro Jahr.
Rechenbeispiel · Ziel: 50 % Bandposition nach fünf Jahren
- Start am Minimum, 56.000 € (0 % Bandposition).
- Jedes Jahr kommen 10 % Bandposition hinzu: 10 % × 28.000 € = 2.800 €.
- Nach fünf Jahren: 70.000 €, der Mittelwert.
Bewertung nach den drei Tests
Vorteile
- Einfach und vorhersehbar.
- Leicht mit dem Betriebsrat zu vereinbaren.
Nachteile
- Keine Differenzierung nach Beitrag.
- Feste Prozentsätze können durch Bandverschiebungen aufgezehrt werden.
Typischer KontextHomogene Stellen, tarifähnliche Umgebungen.
Der Laufband-Effekt
Eine feste Erhöhung um 2,5 % bei einem Band, das sich ebenfalls um 2,5 % verschiebt, lässt die Bandposition unverändert: Gehalt 60.000 € → 61.500 €, die Bandposition bleibt bei 14 %. Die Person verdient mehr, hat sich aber nicht entwickelt. Deshalb: über die Bandposition steuern, nicht über Prozentsätze.
Modell 03
03 Stufenmodell
Das Band ist in feste Stufen geteilt. Der Aufstieg in die nächste Stufe setzt eine dokumentierte Qualifikation oder eine festgelegte Zeit auf der aktuellen Stufe voraus.
Rechenbeispiel · Fünf Stufen bei 0 / 25 / 50 / 75 / 100 % Bandposition
- Stufe 1: 56.000 € · Stufe 2: 63.000 € · Stufe 3: 70.000 € · Stufe 4: 77.000 € · Stufe 5: 84.000 €.
- Jeder Stufenaufstieg kostet eine volle Stufe: 7.000 €.
- Antworten nach Art. 7 sind einfach: Zeigen Sie die Stufenverteilung nach Geschlecht je Grade.
Bewertung nach den drei Tests
Vorteile
- Maximale Klarheit für Beschäftigte.
- Passt gut zu starker Mitbestimmung.
- Geringer Verwaltungsaufwand.
Nachteile
- Stufensprünge sind teuer.
- Wenig Raum, außergewöhnliche Beiträge zu honorieren.
Typischer KontextStarke Mitbestimmung.
Modell 04
04 Gleitende Skala
Die Erhöhungsrate sinkt, je höher das Gehalt im Band liegt. Wer niedrig im Band liegt, bewegt sich schneller; wer hoch liegt, langsamer.
Rechenbeispiel · Erhöhung nach Compa-Ratio
- Unter 0,90: +5,0 % · 0,90 bis unter 1,00: +3,5 % · 1,00 bis unter 1,10: +2,5 % · ab 1,10: +1,5 %.
- 60.000 € (Compa-Ratio 0,86) → +5,0 % → 63.000 €.
- 77.000 € (Compa-Ratio 1,10) → +1,5 % → 78.155 €.
Bewertung nach den drei Tests
Vorteile
- Bereinigt gewachsene Gehälter.
- Einfache Tabelle, leicht zu kommunizieren.
Nachteile
- Wirkt ohne die Erklärung der Annäherung wie eine „Strafe für Erfahrene“.
Typischer KontextBereinigung gewachsener Gehälter nach Einführung der Gehaltsbänder.
Erklären Sie die Annäherung
Der Mittelwert ist der Marktpreis voller Kompetenz in der Stelle. Darunter wird Entwicklung erwartet und beschleunigt. Darüber sind Erhöhungen ein Zuschlag. Ohne diese Erklärung wirkt das Modell wie eine Strafe für Erfahrene.
Modell 05
05 Hybrid mit Kontrollpunkt
Regelbasierte Entwicklung bis zum Kontrollpunkt (meist der Mittelwert), darüber nur leistungsbezogene Entwicklung. „Bis zum Marktwert geplant, darüber verdient.“
Rechenbeispiel · Zwei Zonen im Referenzband
- Zone 1, 56.000 € bis 70.000 €: Stufen oder ein Pfad über die Bandposition führen zum Mittelwert.
- Zone 2, 70.000 € bis 84.000 €: Erhöhungen nur bei dokumentierter, kalibrierter Leistung.
- 73.500 € mit der Beurteilung „erfüllt die Erwartungen“ → +2,5 % → 75.337,50 €.
Bewertung nach den drei Tests
Vorteile
- Verbindet Vorhersehbarkeit und Differenzierung.
- Funktioniert mit und ohne ausgereiftes Performance Management.
Nachteile
- Braucht Governance für zwei Regelwerke.
Typischer KontextHäufigster Zielzustand.
Governance-Checkliste in sechs Punkten
Vor der Einführung des Modells:
- Kontrollpunkt festlegen.
- Regeln für Zone 1 schreiben.
- Regeln für Zone 2 schreiben.
- Jährliche Neutralitätsprüfung durchführen.
- Übergangsregeln für bestehende Fälle festlegen.
- Den Systemwechsel kommunizieren.
Leistungsbezogene Erhöhungen über dem Mittelwert brauchen einen geprüften Beurteilungsprozess
Modell 06
06 Leistungsmatrix
Die Erhöhung hängt von zwei Eingaben ab: der Position im Band (Compa-Ratio) und einer Leistungsbeurteilung. Eine Matrix gibt für jede Kombination den Prozentsatz vor.
Rechenbeispiel · Zeilen nach Compa-Ratio, Spalten nach Beurteilung
- Unter 0,90: 0 / 3,5 / 5,0 / 6,5 %.
- 0,90 bis unter 1,10: 0 / 2,5 / 3,5 / 5,0 %.
- Ab 1,10: 0 / 1,0 / 2,0 / 3,0 %.
- 73.500 € (Compa-Ratio 1,05) mit „erfüllt“ → +2,5 % → 75.337,50 €.
Bewertung nach den drei Tests
Vorteile
- Hohe Differenzierung.
- Steuert Kosten über die Position im Band.
Nachteile
- Hängt vollständig von der Qualität der Beurteilungen ab.
Typischer KontextAusgereiftes Performance Management.
Die Matrix ist einfach, die eigentliche Arbeit steckt in der Beurteilung
Fünf Voraussetzungen:
- Verhaltensverankerte Beurteilungsstufen.
- Kalibrierung über Führungskräfte hinweg.
- Verteilungsmonitoring nach Geschlecht, Teilzeit und Rückkehr aus Elternzeit.
- Dokumentation jeder Beurteilung.
- Trennung von Entwicklungsgespräch und Gehaltsentscheidung.
Die Matrix ist einfach, das Risiko liegt in der Beurteilung. Was die Forschung zeigt
Modell 07
07 Person-Job-Fit
Kompetenzen und relevante Erfahrung werden jeweils von 1 bis 4 gegen das Stellenprofil bewertet. Ihre Summe, der Fit-Score (2 bis 8), bestimmt eine Zielzone im Band. Erfahrung ist immer stellenbezogen, nie in Jahren gemessen.
Rechenbeispiel · Kompetenzen 3 + relevante Erfahrung 2 = Fit-Score 5
- Basis-Fit (2 bis 3): 56.000 € bis 63.000 €.
- Guter Fit (4 bis 6): 63.000 € bis 77.000 € → Zielzone für diese Person.
- Exzellenter Fit (7 bis 8): 77.000 € bis 84.000 €.
- Empfehlung: mindestens 2 je Dimension für „guten Fit“. Die Freigabeebene steigt mit dem Abstand zum Mittelwert.
Bewertung nach den drei Tests
Vorteile
- Direkt an das Stellenprofil gebunden.
- Funktioniert für die Einstufung bei Einstellung und für die Entwicklung.
Nachteile
- Setzt ein Kompetenzmodell voraus.
- Höherer Pflegeaufwand.
Typischer KontextVorhandenes Kompetenzmodell.
Auch ein Fit-Score ist ein Urteil der Führungskraft: verankern und prüfen
Ausprobieren · Bandrechner
Mittelwert 70.000 €
- Compa-Ratio
- 0,86
- Bandposition
- 14 %
- Zone
- Unteres Drittel
Erhöhung +5,0 % → neues Gehalt 63.000 €