Vergütungssystem aufbauen · Marktdaten nutzen

Marktdaten sind eine Referenz, keine Begründung.

Vergütungsstudien zeigen, was einige Arbeitgeber für Stellen gezahlt haben, die sie auf ihre eigene Weise zugeordnet haben. Das kann anregen, wie Sie Entgelt differenzieren. Es sagt Ihnen nicht, was eine Stelle wert ist, und es rechtfertigt keinen Gap zwischen Frauen und Männern.

01

Warum Studiendaten nie neutral sind

Niemand zieht eine Stichprobe des Markts.

Die Teilnehmenden wählen sich selbst aus, und der Kreis ändert sich mit jeder Ausgabe. Veränderungen von Jahr zu Jahr sind zum Teil Zusammensetzung, nicht Markt.

Matching ist eine Annahme.

Jedes Ergebnis hängt davon ab, wie Dutzende Arbeitgeber ihre Stellen allgemeinen Beschreibungen zugeordnet haben.

Die Geschichte ist eingebaut.

Markt-Mediane spiegeln Jahrzehnte geringerer Bezahlung von Arbeit, die überwiegend Frauen leisten. Wer sich daran verankert, trägt diesen Gap in die eigene Struktur.

Jemand hat die Zahlen gewählt.

Ergebnisse können roh, um Ausreißer bereinigt oder modelliert sein. Sie kaufen immer die Sicht eines Anbieters.

Die Dienststellen der Europäischen Kommission sagen es deutlich: Marktbedingungen spiegeln kaum den inneren Wert einer Stelle und sollten mit Vorsicht behandelt werden.

FAQ der Dienststellen der Europäischen Kommission zur Entgelttransparenzrichtlinie: vorläufige Einschätzungen, keine offizielle Position. Verbindlich auslegen kann EU-Recht nur der EuGH. FAQ der Europäischen Kommission zur Entgelttransparenz (EN)

02

Was das Entgelt treibt und wohin jeder Treiber gehört

Die Stelle

Was ist die Stelle wert?

Die Stellenbewertung nach Kompetenzen, Belastung, Verantwortung und Arbeitsbedingungen bestimmt das Grade.

Die Person

Was ist die Person wert?

Die Position im Band, über schriftliche, geschlechtsneutrale Kriterien der Gehaltsentwicklung.

TreibergruppeBeispieleWohin er in einem richtlinienkonformen System gehört
StelleAnforderungsniveau (Grade), Spezialisierung, StandortGrade aus der Stellenbewertung; Standort als dokumentierter Regionalfaktor
UnternehmenBranche, Größe, öffentlicher oder privater SektorMit welchen externen Quellen Sie vergleichen
PersonRelevante Erfahrung, Qualifikationen, LeistungPosition im Band, nur über schriftliche Kriterien

Schriftliche Kriterien der Gehaltsentwicklung

Das Geschlecht ist auf jedem Arbeitsmarkt ein Treiber des Entgelts. Ein legitimer ist es nie.

03

Von innen nach außen aufbauen

  1. 01

    Zuerst der Wert

    Die Stellenbewertung bestimmt die Grades. Jede Stelle in Grade 10 ist gleichwertige Arbeit: eine Pflegekraft, eine Lehrkraft an einer Hochschule, eine Ingenieurin für Medizintechnik, ein Vertriebsspezialist.

  2. 02

    Ihre Entgeltlinie

    Legen Sie den Mittelwert jedes Grades aus Ihrer eigenen Vergütungspolitik, der Finanzierbarkeit und den internen Ist-Gehältern fest.

  3. 03

    Das Niveau prüfen

    Vergleichen Sie das Gesamtniveau mit mehreren externen Referenzen: Tarifverträge, TVöD, mehr als eine Vergütungsstudie, Einstiegsgehälter, Rekrutierungsdaten. Liegt es daneben, verschieben Sie die ganze Linie; ordnen Sie deshalb nie Stellen neu.

Schritt 3 in der Praxis: Prüfung des Mittelwerts in Grade 10

Prüfung des Mittelwerts in Grade 10 (fiktiv)Interner Mittelwert 70.000 €. Referenzen: TVöD 68.500 €, Studie 1 71.000 €, Studie 2 73.500 €, Einstiegsgehälter 67.000 €.Interner Mittelwert, Grade 1070.000 €Vergleichbare Stufe im TVöD68.500 €Studie 1, Median71.000 €Studie 2, Median73.500 €Einstiegsgehälter, letzte 12 Monate67.000 €60.000 €65.000 €70.000 €75.000 €80.000 €

Ergebnis: Die Referenzen reichen von 67.000 € bis 73.500 €. Der interne Mittelwert liegt in diesem Bereich, die Entgeltlinie bleibt unverändert.

Zwei Studien weichen für dasselbe Grade um 2.500 € voneinander ab. Deshalb kann keine einzelne Studie einen Preis festlegen. Alle Werte fiktiv.

04 · Eine Gruppe je Grade

Eine Jobfamilie kann einen Unterschied erklären. Gleichwertigkeit bestimmt sie nicht.

Art. 4 · EUR-Lex Art. 9 · EUR-Lex Art. 10 · EUR-Lex Art. 18 · EUR-Lex

  • Die Richtlinie gruppiert Beschäftigte nach dem Wert ihrer Arbeit. Unterschiedliche, gleichwertige Stellen gehören in dieselbe Gruppe und dieselbe Entgeltspanne (Art. 4; FAQ der Kommission zu Gruppen von Beschäftigten).
  • Zusätzliche Faktoren nach Art. 4 (4) müssen für die Stelle relevant, gerechtfertigt, geschlechtsneutral und verhältnismäßig sein. Die Bezeichnung einer Jobfamilie oder Knappheit am Markt sagt nichts über den Stellenwert.
  • Wer Grade 10 in „Ingenieurwesen Grade 10“ und „Pflege Grade 10“ aufteilt, lässt den Gap aus dem Bericht verschwinden. Er taucht beim ersten individuellen Anspruch wieder auf, weil Beschäftigte sich mit jeder gleichwertigen Arbeit vergleichen können.
  • Der robuste Weg: eine Gruppe je Grade behalten, Unterschiede sichtbar lassen und mit Nachweisen rechtfertigen (Art. 9, 10, 18).

FAQ der Dienststellen der Europäischen Kommission zur Entgelttransparenzrichtlinie: vorläufige Einschätzungen, keine offizielle Position. Verbindlich auslegen kann EU-Recht nur der EuGH. FAQ der Europäischen Kommission zur Entgelttransparenz (EN)

05

Differenzierte Strukturen, richtig gemacht

Stellenbezogenes Market Pricing ist nicht zu verteidigen. Wenige, belegte Strukturen können es sein.

Bevorzugt

A: Eine Struktur für schwer zu besetzende Stellen

Sie hängt über Nachweise an Stellen, nicht an der Bezeichnung einer Jobfamilie. Eine knappe Spezialisierung in der Pflege qualifiziert sich genauso wie eine knappe Stelle im Ingenieurwesen.

Anspruchsvoller

B: Wenige Strukturen für Gruppen von Jobfamilien

Zum Beispiel Vertrieb, Produktion, Ingenieurwesen, Pflege oder Lehre. Anspruchsvoller: Jede braucht eigene Nachweise und eine eigene Prüfung nach Geschlecht.

Ändern Sie zuerst den Pay Mix, dann das Entgeltniveau. Eine Vertriebsstelle kann bei gleicher Zielvergütung wie das gemeinsame Band ein niedrigeres Grundgehalt und einen variablen Zielbetrag haben.

Grade 10: eine Gruppe, mehrere Strukturen (fiktives Unternehmen)

Alle Stellen liegen in Grade 10: gleichwertige Arbeit, eine Gruppe von Beschäftigten. Die Frauenanteile sind fiktive Beispiele.

Stelle oder JobfamilieFrauen (Beispiel)StrukturMittelwert GrundgehaltVariabler ZielbetragZielvergütungggü. gemeinsamem Band
Verwaltung und Assistenz78 %Gemeinsames Band70.000 €–70.000 €–
Pflege (Station)85 %Gemeinsames Band70.000 €–70.000 €–
Lehre (Hochschullehrkraft)48 %Gemeinsames Band70.000 €–70.000 €–
Vertriebsspezialist30 %Gemeinsames Band, anderer Pay Mix62.000 €8.000 €70.000 €– (Auszahlungen beobachten)
Ingenieurin oder Ingenieur Medizintechnik15 %Engpassstruktur74.500 €–74.500 €+6,4 %
Fachkraft Intensivpflege90 %Engpassstruktur74.500 €–74.500 €+6,4 %

Gemeinsames Band: 56.000 € · 70.000 € · 84.000 €. Engpassband: 59.600 € bis 89.400 € (±20 % um 74.500 €).

Nachweiskarte · Beispiel

Ingenieurin oder Ingenieur Medizintechnik

  • Vakanzdauer: 9 Monate
  • Abgelehnte Angebote: 4 von 10
  • Fluktuation: über dem Durchschnitt des Unternehmens
  • Marktdaten: zwei unabhängige Quellen
  • Anteil Frauen und Männer: 15 % Frauen · 85 % Männer (Beispiel)
  • Freigegeben: Vorstand · Nächste Prüfung: in 12 Monaten
Nachweiskarte · Beispiel

Fachkraft Intensivpflege

  • Vakanzdauer: 9 Monate
  • Abgelehnte Angebote: 4 von 10
  • Fluktuation: über dem Durchschnitt des Unternehmens
  • Marktdaten: zwei unabhängige Quellen
  • Anteil Frauen und Männer: 90 % Frauen · 10 % Männer (Beispiel)
  • Freigegeben: Vorstand · Nächste Prüfung: in 12 Monaten
  1. Die Struktur hängt über Nachweise an Stellen, nicht an der Bezeichnung einer Jobfamilie. Deshalb steht eine überwiegend weibliche Spezialisierung in der Pflege neben einer überwiegend männlichen Stelle im Ingenieurwesen.
  2. Die +6,4 % bleiben als Gap innerhalb der Gruppe Grade 10 sichtbar. Über 5 % muss der Bericht den Grund nennen; ohne dokumentierte Rechtfertigung oder Behebung binnen sechs Monaten folgt eine gemeinsame Entgeltbewertung (Art. 10).
  3. Der Vertrieb hat bei gleicher Zielvergütung einen anderen Pay Mix. Weil Berichte das tatsächliche Entgelt nutzen, müssen die Auszahlungen nach Geschlecht beobachtet werden.

Acht Leitplanken

  1. Eine Grade-Struktur für alle; differenzierte Strukturen setzen nur darauf auf.
  2. So wenige Strukturen wie möglich; das gemeinsame Band ist der Standard.
  3. Zuerst der Pay Mix; eine andere Zielvergütung braucht stärkere Nachweise.
  4. Nachweise aus zwei Richtungen: Marktdaten aus mindestens zwei Quellen plus interne Daten (Vakanzdauer, abgelehnte Angebote, Fluktuation).
  5. Anteil von Frauen und Männern für jede differenzierte Struktur erfassen; eine niedrigere Struktur für eine überwiegend weibliche Gruppe oder eine höhere für eine überwiegend männliche braucht die stärkste Rechtfertigung.
  6. Ein schriftlich festgelegter Höchstabstand zum gemeinsamen Band; alles darüber braucht die Freigabe der Geschäftsführung.
  7. Jährliche Prüfung; fällt der Nachweis weg, fällt der Unterschied weg, bei Neueinstellungen und in den Regeln der Gehaltsentwicklung.
  8. Tatsächliche Auszahlungen nach Geschlecht beobachten, weil Berichte das tatsächliche Entgelt nutzen, nicht das Zielentgelt.

Jeden Unterschied muss der Arbeitgeber verhältnismäßig rechtfertigen (Enderby, C-127/92 · EUR-Lex ); er trägt die Beweislast (Art. 18).

06 · Einzelne Ausnahmen

Eine Marktzulage ist das letzte Mittel.

Art. 7 · EUR-Lex Art. 18 · EUR-Lex

Lässt sich eine einzelne Stelle nicht besetzen und greift keine differenzierte Struktur, kann eine eigene Zulage eingesetzt werden. Bevor er sie zahlt, muss der Arbeitgeber drei Dinge zeigen können (FAQ der Kommission, im Anschluss an Enderby, C-127/92 · EUR-Lex ):

1

Relevant und gerechtfertigt

Der Faktor hängt mit einem echten, dokumentierten Rekrutierungsbedarf zusammen.

2

Geschlechtsneutral

Er ist frei von Verzerrung und steht allen in der Stelle offen.

3

Verhältnismäßig

Seine Höhe entspricht den Nachweisen, nicht mehr.

Fünf Regeln

  1. Dokumentierte Nachweise.
  2. Ein eigener, benannter Vergütungsbestandteil.
  3. Befristet, mit jährlicher Prüfung.
  4. Für alle in dieser Stelle verfügbar, unabhängig vom Geschlecht.
  5. In Antworten nach Art. 7 und in Berichten ausgewiesen und erklärt.

Der Arbeitgeber trägt die Beweislast (Art. 18).

FAQ der Dienststellen der Europäischen Kommission zur Entgelttransparenzrichtlinie: vorläufige Einschätzungen, keine offizielle Position. Verbindlich auslegen kann EU-Recht nur der EuGH. FAQ der Europäischen Kommission zur Entgelttransparenz (EN)

07

Wenn Sie Vergütungsstudien nutzen: wie sie Stellen zuordnen

Jedes Studienergebnis hängt davon ab, wie Ihre Stelle einer Stelle der Studie zugeordnet wurde. Es gibt drei Methoden.

MethodeSo funktioniert sieStärkenSchwächen
Benchmark-PositionenEine vollständige Beschreibung je Referenzstelle; Sie ordnen der passendsten zuGenaue ZuordnungenWenige Stellen abgedeckt; „ungefähr passend“ verzerrt die Ergebnisse
StufenbeschreibungenAllgemeine Laufbahnen × Stufen × JobfamilienBreite Abdeckung; lässt sich den eigenen Grades zuordnenBeschreibungen unterschiedlicher Qualität; Daten verteilen sich dünn über die Zellen
Punktfaktorbasierte StellenbewertungBewertete Stellengröße kombiniert mit SpezialisierungGenau für FührungsstellenBraucht Methodenwissen; schwächer für Fachstellen

Ordnen Sie nach Inhalt zu, nicht nach Job-Titel. Ordnen Sie Ihre Grades einmal den Stufen der Studie zu und dokumentieren Sie die Zuordnung.

08

Die Zahlen lesen

Spot Rates für eine fiktive StelleP10 54.000 €, P25 61.000 €, Median 70.000 €, P75 77.000 €, P90 86.000 €.P1054.000 €P2561.000 €P50 · Median70.000 €P7577.000 €P9086.000 €
Je breiter die Streuung, desto uneiniger sind sich Arbeitgeber über den Preis dieser Stelle. Fiktives Beispiel.
  • Perzentile zeigen, wie uneinig sich Arbeitgeber sind.
  • Eine breite Spanne von P10 bis P90 bedeutet: Es gibt keinen einen „Marktpreis“.
  • Der Median ist der stabilste Wert.
  • Lesen Sie die Zeile jeder Stelle als Ganzes.

09 · Checkliste zur Qualität

Eine Vergütungsstudie auswählen

Wenn Sie Marktdaten kaufen, stellen Sie zuerst diese Fragen.

Zweck

01Wissen Sie, wofür Sie die Daten brauchen (Bepreisung einzelner Stellen, Aufbau von Gehaltsbändern, Entscheidungen zur Entgeltgleichheit)?

02Deckt die Studie den Markt ab, in dem Sie tatsächlich konkurrieren (Branche, Größe, Region)?

Matching

03Sind die Stufen klar voneinander abgegrenzt und konkret beschrieben?

04Sind die Jobfamilien so genau beschrieben, dass Sie nach Inhalt statt nach Job-Titel zuordnen können?

05Können Sie Ihre eigenen Grades dokumentiert den Stufen der Studie zuordnen?

06Unterstützt der Anbieter Sie beim Matching?

Daten

07Nennt der Anbieter, wie viele Unternehmen und Datensätze hinter jeder Zelle stehen, die Sie nutzen, und reichen sie aus?

08Stammen die Daten von Arbeitgebern statt aus Selbstauskünften Einzelner?

09Ist klar, ob die Ergebnisse roh, bereinigt oder modelliert sind?

10Werden Grundgehalt und Zielvergütung getrennt ausgewiesen, mit Perzentilen und Median?

11Werden tarifliche und außertarifliche Stellen sowie Regionen getrennt ausgewiesen?

Aktualität

12Ist der Stichtag der Daten angegeben, und können Sie sie auf Ihren Gehaltsstichtag fortschreiben?

Aufwand und Kosten

13Ist der Aufwand für die Teilnahme für Ihr Team realistisch, und steht der Preis im Verhältnis zur Nutzung?

14Ist klar, wo der Anbieter die Daten der Teilnehmenden verarbeitet, und entspricht das der DSGVO?

Ergebnis je Gruppe

Kein Gesamtwert: Jede Gruppe steht für sich. Es wird nichts gespeichert.

  • Zweck

    0 von 2 beantwortet · Ja 0 · Teilweise 0 · Nein 0 · Weiß nicht 0

  • Matching

    0 von 4 beantwortet · Ja 0 · Teilweise 0 · Nein 0 · Weiß nicht 0

  • Daten

    0 von 5 beantwortet · Ja 0 · Teilweise 0 · Nein 0 · Weiß nicht 0

  • Aktualität

    0 von 1 beantwortet · Ja 0 · Teilweise 0 · Nein 0 · Weiß nicht 0

  • Aufwand und Kosten

    0 von 2 beantwortet · Ja 0 · Teilweise 0 · Nein 0 · Weiß nicht 0

10

An einer Vergütungsstudie teilnehmen

  • Planen Sie den Aufwand: Das Matching dauert mit Stufenbeschreibungen rund 15 Minuten je Stelle, mit punktfaktorbasierten Methoden 20 bis 30 Minuten, dazu kommt die Datenaufbereitung (grobe Erfahrungswerte aus der Praxis).
  • Führen Sie eine Stammdatei; kopieren Sie nur die benötigten Felder in jede Meldung.
  • Geben Sie jeder Stelle eine ID und speichern Sie ihre Zuordnungen zur Studie.
  • Konzentrieren Sie sich auf Stellen, die für Ihre Strukturen zählen; eine Übereinstimmung von 80 % ist ein brauchbares Match.
  • Melden Sie nur pseudonymisierte Daten und prüfen Sie, wo der Anbieter sie verarbeitet (DSGVO).